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Berlinale-Finale Drucken
Geschrieben von: Ralf Pierau   
Samstag, den 20. Februar 2010 um 21:04 Uhr

Die Berlinale-Jury um Präsident Werner Herzog hat entschieden. Alle Bären der 60. Berlinale sind verteilt. Bei den Spielfilmen hat der türkische Wettbewerbsbeitrag "Bal" von Semih Kaplanoglu den Goldenen Bären gewonnen. Der Film ist Teil einer Trilogie, heißt übersetzt: "Honig". Und Honig ...
zieht bekanntlich Bären an. Ein gutes Omen? Vielleicht.  Es ist vor allem ein toller Film, der einen außergewöhnlichen Blick auf eine ganz besondere Landschaft findet: ein Bergdorf in Nordostanatolien mit seinen Bewohnern. Dort lebt eine Imkerfamilie. Der Vater arbeitet in einem aussterbenden Berufszweig. Der Sohn ist ein schüchterner Einzelgänger, sieben Jahre alt. Als der Vater aufbricht, um im fernen Gebirge nach Honig zu suchen, beginnt für den Sohn eine bange Zeit des Wartens, in der er mehr und mehr die Sprache verliert. Es geht um Träume. Und der Held des Films ist ein Kind. Ein Kind kann staunen. Eben über diese außergewöhnliche Landschaft, das Geschehen darin. Dafür gab es den Goldenen Bären.

Ein anderer ungewöhnlicher Film bekam gleich zwei Preise: "If I Want To Wistle, I Wistle". Ein jugendlicher Straftäter verliebt sich in die Sozialarbeiterin. Schauspieler sind hier meist Laien aus einem rumänischen Gefängnis. Selbst der Hauptdarsteller, der mittlerweile eine Schauspielausbildung begann. Bären-stark eben. "Wenn ich pfeifen möchte, dann pfeif' ich" bekam den Großen Preis der Jury, einen Silbernen Bären. Und dazu noch den Alfred-Bauer-Preis. Der ist nach dem ersten Leiter der Berlinale benannt und wird an Filme verliehen, die neue Perspektiven in der Filmkunst eröffnen.

Roman Polanski erhielt den Silbernen Bären für "Beste Regie" in
"The Ghost Writer". Den Silbernen Bären als "Beste Darstellerin" bekam Shinobu Terajimain ("Caterpillar"). Mit den Silbernen Bären zu gleichen Teilen belohnte die Jury die Leistung der beiden russischen Darsteller Grigory Dobrygin und Sergei Puskepalis im Film "How I Ended this Summer". Zuvor gab es schon zwei Ehren-Bären: für die Schauspielerin Hanna Schygulla und Regisseur und Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase.

Und auch das Publikum war fleißig am Voten. Eine Jugendjury der Generation 14plus zeichnete beispielsweise "Neukölln Unlimited", ein Film über junge Tänzer und Musiker aus Neukölln, mit dem Gläsernen Bären aus. Dieser Film ist etwas ganz besonderes. Er erzählt die Geschichte der
Geschwister Lial, Hassan und Maradona. Sie leben seit frühester Kindheit im Berliner Bezirk Neukölln. Die Geschwister sind talentierte Tänzer und Musiker. In der Streetdance- und HipHop-Szene sind sie auch über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Doch sie haben ein Problem: Die Familie lebt seit 18 Jahren ohne sicheren Aufenthaltsstatus in Deutschland. Sie sind permanent von der Abschiebung in den Libanon bedroht. Wie kann man so leben? Das erzählt der Dokumentarfilm abseits der gängigen Klischees über Migranten in Problembezirken.

Diese Berlinale hatte wieder einen sehr großen Publikumszuspruch. Die Veranstalter rechnen bis morgen mit einem Besucherrekord von über 300.000 Besuchern. Das heißt also auch: Der Sonntag ist noch Berlinale-Tag. Hingehen. Mitdiskutieren.

www.berlinale.de

Gewinner der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin
Goldener Bär, Bester Spielfilm: "Bal" von Semih Kaplanoglu
Goldener Bär, Bester Kurzfilm: "Zwischenfall vor einer Bank" von Ruben Östlund
Silberner Bär - Großer Preis der Jury: "If I Want to Whistle, I Whistle" von Florin Serban
Silberner Bär - beste Regie: Roman Polanski für "The Ghost Writer"
Silberner Bär - beste Darstellerin: Shinobu Terajimain in "Caterpillar"
Silberner Bär - beste Darsteller: Grigory Dobrygin und Sergei Puskepalis in "How I Ended this Summer"
Silberner Bär - herausragende künstlerische Leistung, Kamera: Pavel Kostomarovür (Kamera) in "How I Ended this Summer"
Silberner Bär - bestes Drehbuch: Wang Quan'an und Na Jin für "Tuan Yuan"
Alfred-Bauer-Preis (neue Perspektiven der Filmkunst):  "If I Want to Whistle, I Whistle"
Bester Erstlingsfilm: "Sebbe" von Babak Najafi (in der Sektion Generation)





 
 
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