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Reichstagsverhüllung Drucken
Geschrieben von: Anja Röbekamp   
Donnerstag, den 25. Februar 2010 um 13:03 Uhr

Blickpunkt 25.2.: Die Idee war nicht von ihm, aber sie ließ ihn nicht mehr los: 1971 bekam der Künstler Christo eine Postkarte. Sie zeigte den Reichstag und ein Freund fragte ihn, ob es nicht toll wäre, den zu verhüllen? Seitdem kämpfte Christo für diese Idee – und hatte dabei gewichtige Fürsprecher und vor allem ...
auch Gegner. Aber der Reihe nach: Schon zehn Jahre zuvor beschäftigt sich Christo mit der Idee, ein öffentliches Gebäude mit Repräsentattionscharakter zu verhüllen. Der Reichstag mit seiner langen Geschichte als das älteste demokratische Parlament und seiner Bedeutung im Ost-West-Konflikt wurde zu einer Idealvorstellung, diese Idee zu realisieren.

Er fing an, Enwürfe zu zeichnen und Modelle zu basteln, hielt Vorträge und versuchte, Politiker von seiner Idee zu überzeugen. Nach dem Fall der Berliner Mauer schien die Zeit dafür reif. Im Jahr 1991 konnte er
Rita Süßmuth, die damalige deutsche Bundestagspräsidentin, von seinem Projekt überzeugen. Sie versuchte ihrerseits, den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl für den Plan zu begeistern, was ihr nicht gelang.

Drei Jahre später, am 25. Februar 1994, war es immerhin gelungen, das Thema in den deutschen Bundestag einzubringen. Und dort sprachen sich die Abgeordneten nach einer kontroversen Debatte für das Projekt aus – in namentlicher Abstimmung und über alle Fraktionszwänge hinweg.
Die Wogen schlugen hoch und viele Politiker waren überzeugt, den Wähler damit zu überfordern.
Die Wähler zeigten sich aber resistent gegen diverse Vereinnahmungsversuche. So wurde er, wieder einmal mehr, ein überraschendes Element für die Volksvertreter:
Fünf Millionen Besucher wollten den 1995 silbrig schimmernd verpackten Reichstag sehen!
Dieses langjährig geplante und aufwendig umgesetzte Vorhaben hatte seinen Preis: 15 Millionen DM wollten durch Merchandising und Bildrechte erstmal wieder reingeholt werden – deswegen gibt es hier auch kein Bild vom verpackten Reichstag, sondern vom Reichstag und vom Verpackungsmaterial.