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Geschrieben von: Anja Röbekamp
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Donnerstag, den 04. März 2010 um 16:17 Uhr |
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Blickpunkt 4.3.: Berühmte Persönlichkeiten wie der Schriftsteller Gerhart Hauptmann wollten die Verbreitung der Schriften von Heinrich von Kleist sichern. Sie wollten Kleist als "Ideenträger reinen Menschentums" konservieren. Zu diesem Zweck gründeten sie 1920 die Heinrich von Kleist-Gesellschaft. Diese bestand jedoch nur bis 1945. Und das aus gutem Grund: Die Gesellschaft war national-konservativ ausgerichtet. Sie wollte den Dichter zum ...
Gewährsmann einer deutschen Identität machen, die zwei Jahre nach dem unrühmlichen Kriegsende ein bisschen Stolz zurück in die deutsche Volksseele bringen sollte. So berief man sich nur auf die Werke Kleists, die in diese Weltsicht passten, wie die "Hermannsschlacht" und der "Prinz von Homburg", der als "schönstes Werk deutscher Soldatendichtung" bezeichnet wurde.
Die psychologischen Zerrissenheiten in seinen wichtigeren Werkes standen nicht zur Debatte: eine "Penthesilea" oder ein „Michael Kohlhaas“ waren wohlweislich nicht die Leitlinien, auf die sich die Gesellschaft berief.
Viele große Schriftsteller und andere namhafte Persönlichkeiten wurden zu Mitgliedern der Kleist-Gesellschaft. Beispielwsweise waren der Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann, die Schriftsteller Ricarda Huch und Hugo von Hofmannsthal, der Maler Max Liebermann, Reichsminister Walter Rathenau Mitglieder der Gesellschaft. Als Jahresbeitrag waren 20 Mark zu entrichten. Sitz der Gesellschaft war Kleists Heimatstadt Frankfurt an der Oder.
Nach der Gleichschaltung aller literarischer Gesellschaften 1933 wurden auch die Kleistforscher an die nationale Ideologie-Front berufen. Und man war sich nicht zu blöd, Goethe und Schiller zu den "ersten Nationalsozialisten" zu zählen.
Nach dem Krieg erlosch die Gesellschaft. 1960 wurde sie neu gegründet – diesmal in Berlin, wo sie heute noch tätig ist. Die Neugründung erfolgte in betonter Abgrenzung zur Nazi-Tradition. Heute arbeitet die Heinrich von Kleist-Gesellschaft als eine international anerkannte Institution der Literaturwissenschaft. Seit 1985 verleiht die Vereinigung jährlich den Kleist-Preis, der in Deutschland mittlerweile als einer der wichtigsten Literaturpreise renommiert ist.
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