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"Trauer"- Müggelturm Drucken
Geschrieben von: Dieter Sirozynski   
Dienstag, den 20. April 2010 um 12:43 Uhr

Blickpunkt 20. April 1996: An diesem Datum gab’s eines der wenigen positiven Ereignisse in der jüngeren Geschichte des berühmten aber inzwischen auch berüchtigten Müggelturms. Mithilfe von rund einer Million Mark aus EU-Mitteln konnten vorher die schlimmsten Mängel am beliebten Ausflugsziel auf den Köpenicker Müggelbergen beseitigt werden, sodass der Turm selbst an eben diesem Tag wiedereröffnet werden konnte. Zumindest die Aussichtsplattform ist meistens offen. Ein Euro kostet der Aufstieg und der Blick in die Ferne ist schon ein besonderes Erlebnis.
Den traurigen Anblick des darunter liegenden Geländes muss man sich ja nicht antun. Ein Brand in der Nacht zum 13. Februar hat den Kiosk als einzigen Verpflegungsstützpunkt und damit das Areal zusätzlich verwüstet.  Nun gibt es also einen Aussichtsturm, der eher ...

nicht zum Aufstieg einlädt, einen immer weiter verfallenden Restaurant-Trakt und sonstige undefinierbare Reste auf dem kleinen Müggelberg. Alles zusammen erinnert eher an ein verlassenes Schlachtfeld. Gründe dafür gibt’s viele. Hauptverursacher dürften mal wieder die hochbezahlten Fehlentscheider in Senats- und Bezirksverwaltung sein. Sie konnten sich über lange Jahre nicht zügig für ein investitionstaugliches Konzept entscheiden.
Aktuell ist es aber ein Krefelder Investor, der das Grundstück im Dezember 2007 erwarb. 2008 sollte der Baubeginn sein. Was den neuen Eigentümer abhält, kann nur spekuliert werden. Ist es die Finanzkrise? Oder gibt’s Probleme bei der öffentlichen Beteiligung für die Sanierung der Wasser- und Stromversorgung? Oder ist Berlin beim Verkauf mal wieder leeren Versprechungen aufgesessen?
Dabei hat alles so schön angefangen: Carl Spindler, seines Zeichens Köpenicker Wäschereibesitzer, ließ den zehn Meter hohen, hölzernen Ur-Müggelturm, damals Spindlerturm, 1880 errichten. Der entwickelte sich nach einer Erweiterung im Eröffnungsjahr 1890 schon zum Publikumsmagneten. Über 50.000 Besucher erklommen den Berg und den Turm.
Der Architekt Walter Wichelhaus erwarb 1924 das Gelände, baute die Anlage weiter aus und installierte eine Ausstellung über Müggelsee und -berge als Abteilung des Märkischen Museums. Sogar den Krieg überstand das gute Stück schadlos, nachdem es erst von der Wehrmacht als Beobachtungsposten auf die anrückende Rote Armee und später dann von eben dieser kurzzeitig genutzt wurde.
Als der Turm beim Rückzug der Hitler-Armee gesprengt werden sollte, kappte Wichelhaus todesmutig die Sprengleitungen. 1956 übernahm die DDR-HO den Betrieb. Bei Sanierungsarbeiten ging der alte Turm, vermutlich durch ein Schweißgerät, im Mai 1958 in Flammen auf.
In einem gewaltigen Kraftakt mithilfe einer sechsstelligen Spendensumme und fast 4.000 Stunden ehrenamtlicher Bürgerarbeit gelang ein vollständiger Neubau. Der neue, nun knapp 30 Meter hohe Müggelturm wurde zu Silvester 1961 eröffnet. Durch mangelnde Wartung wurde dann Anfang der neunziger Jahre die Teilsanierung begonnen, die 1996 am 20. April zur Wiederinbetriebnahme des Aussichtsturms führte.