Start Berlin-Ticker
Banner
Berliner Zuckermuseum Drucken
Geschrieben von: Ralf Pierau   
Samstag, den 08. Mai 2010 um 10:36 Uhr

Blickpunkt 8. Mai 1904: Er ist schlecht für die Zähne und ein echter Dickmacher. Ein Magenquäler kann er sein! Trotzdem widmet das Land Berlin dem Zucker ein Museum: das Zuckermuseum im Wedding. Es war übrigens das erste seiner Art auf der Welt.
Zusammen mit dem Institut für Zuckergeschichte zog das Museum am 8. Mai 1904 in die Amruner Straße, fand dort ein Zuhause im Obergeschoss des Institutes. Warum nun aber gerade in Berlin ein Zuckermuseum?

Aus der Rübe industriell gewonnener Zucker ist eng mit dem Land Preußen, mit Berlin verbunden. Zucker war lange Zeit Luxus, kam aus Übersee als Kontinentalzucker. Er verbarg sich oft als bräunlicher harter Brocken in kitschig verzierten, aber dabei echten Silberschatullen. Süß!

Mitte des 18. Jahrhunderts entdeckte jedoch der Berliner Chemiker Andreas Sigismund Markgraf ein "Salz", das sich vom "wahren, vollkommenen Zucker" fast in nichts unterscheide. Wo? In der Runkelrübe. 30 Jahre später züchtete sein Schüler Franz Carl Achard (Foto rechts) in fast unendlicher Geduld aus der Runkelrübe die Zuckerrübe. Er brauchte 20 Jahre für diese Züchtung. 1783 begann Achard damit im heutigen Berlin-Kaulsdorf.
Erst durch die Unterstützung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. konnte der Berliner Achard 1801 in Cunern/Schlesien die erste Zuckerfabrik der Welt errichten. Napoleon sorgte 1806 für den ersten kurzen Aufschwung der Zuckerrübenindustrie. 1806 verhängte er eine Kontinentalsperre und der Zucker aus Englands Kolonien konnte nicht mehr eingeführt werden. Es kam zu einer Gründungswelle von Rübenzuckerfabriken. Der Rübenzucker verlor jedoch schnell wieder an Bedeutung. Eine Schwemme von Kontinentalzucker kam nach Aufhebung der Sperre nach Europa, die Preise fielen. Kein Platz für Rübenzucker auf dem Markt.

Der Zucker blieb noch Luxusgut. Erst als in den 1830-er Jahren der Rübenzucker aus Frankreich wieder in deutsche Länder kam, setzte sich der Zucker als Volksnahrungsmittel durch. Seitdem streiten sich übrigens Frankreich und Deutschland, wer nun den Rübenzucker erfunden hat.
Egal. In dem halben Jahrhundert bis 1900 sank der Rohrzuckerpreis auf dem Weltmarkt auf ein Drittel. Es entstand eine eigene Industrie für die Zuckerrübenindustrie in Preußen.
Ein Institut zur Weiterentwicklung dieser Industrie musste jetzt her. Und das Zuckermuseum kam gleich mit dazu. Das war im Jahr 1904. Und noch heute ist das Museum im Wedding in der Amruner Straße 32 zu besichtigen. Seit 1995 ist es ein Teil des Deutschen Technikmuseums Berlin und teilt sich das Gebäude mit dem Fachgebiet Lebensmittelverfahrenstechnik der Technischen Universität. Das Museum bietet neben der ständigen Ausstellung auch Führungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Besonders beliebt ist es als "außerschulischer Lernort". Beispielsweise beim Zuckerblasen. Das funktioniert übrigens ähnlich dem Glasblasen. Nur ist das Produkt viel bekömmlicher. Aus Zucker eben.

Zuckermuseum Berlin
Amruner Straße 32, Berlin-Wedding
Öffnungszeiten:
Montag-Donnerstag, 9-16:30 Uhr
Sonntag, 11-18 Uhr
Ausstellungen (Dauerausstellung):
"Das Zuckerrohr", "Kolonialzucker", "Sklavenwirtschaft", "Rübenzucker in Preußen", "Zuckergewinnung", "Eine Welt ohne Zucker", "Ohne Zucker kein Alkohol"

Weitere Infos: www.sdtb.de