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Prinzessin Marianne Drucken
Geschrieben von: Ralf Pierau   
Sonntag, den 09. Mai 2010 um 10:23 Uhr

Blickpunkt 9. Mai 1810: Königstochter heiratet den jüngsten preußischen Königssohn, verliebt sich in den Kutscher und verlässt mit dem Liebhaber den Königshof. Ein Pilcher-Roman aus Preußen? Nein. Es ist das wahre Leben der Marianne, Prinzessin der Niederlande.
An sie erinnert beispielsweise der Mariannenplatz in Kreuzberg. Geboren wurde Marianne am 9. Mai 1810 in Berlin als Tochter von Wilhelm I. der Niederlande und seiner Gattin Wilhelmine von Preußen. Diese wiederum war die Tochter von Friedrich Wilhelm II. von Preußen. Mariannes älterer Bruder wird  später niederländischer König werden. Und Königstochter Marianne?

Als Wilhelmine Friedericke Luise Charlotte Marianne von Oranien-Nassau lebt sie zuerst ein Leben, wie es der Tochter aus dem niederländischen Königshause wohl zugedacht war. Mit 20 Jahren heiratet sie den jüngsten Prinzen Preußens. Prinz Albrecht war das letztgeborene Kind der legendären preußischen Königin Luise. Fünf Kinder hatte das adlige Paar miteinander. Zwei davon starben noch im ersten Lebensjahr. Für das 19. Jahrhundert nicht ungewöhnlich.

Doch dann geschah etwas für die damalige Zeit Unfassbares. 1845 verließ sie ihre Familie. Sie hatte einen Liebhaber, den Kutscher und späteren Stallmeister Johannes van Rossum. Und noch vor der Scheidung von dem Preußenprinzen kam ein weiterer Sohn zur Welt, Johann Wilhelm. Diesen gebar sie auf einer Reise nach Sizilien. Sein Vater war der besagte Kutscher. Das niederländische und das preußische Königshaus brachen sofort den Kontakt zu Marianne ab. Preußen durfte sie immer nur für 24 Stunden betreten. Danach hatte sie das Land wieder zu verlassen. Faktisch ein Preußenbann.
Königstochter Marianne erwarb 1855 das Schloss Reinhartshausen im Rheingau. Dort machte sie sich als Mäzenatin einen Namen. Ihr Sohn Johann Wilhelm verstarb bereits als Zwölfjähriger. Die Prinzessin lebte noch bis 1883 im Schloss Reinhartshausen.
Übrigens legte sich auch ihr geschiedener Ehemann mit dem Preußen-Hause an. Er liebte bürgerliche Freiheiten mehr als das strenge preußische Hofreglement. Er ließ sich gegen den Willen seines Bruders und Königs (Friedrich Wilhelm VI.) von Marianne scheiden. Albrecht war preußischer General. Und als solcher ertrotzte er sich später eine morganatische Ehe mit Rosalie von Rauch. Sie war "nur" die Tochter eines anderen Generals, also nicht dem Stande gemäß für einen Preußenprinzen. Auch seine zweite Frau wurde so vom Hofe verbannt. Prinz Albrecht lebte mit ihr auf Schloss Albrechtsberg im sächsischen Dresden.


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