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Geschrieben von: Anja Röbekamp
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Donnerstag, den 20. Mai 2010 um 22:08 Uhr |
Blickpunkt 20. Mai 1928: Die Brüder Franz und Erich Saß dringen in das Landesfinanzamt in Alt-Moabit ein. Wie bei den beiden Aufsehen erregenden Einsätzen zuvor müssen die beiden „Meisterdiebe“ auch bei ihrem dritten Bruch ohne Beute nach Hause gehen. Es war ihnen zwar gelungen, sich und ihr schweres „Arbeitsgerät“ an den Wachmännern vorbei in das Landesfinanzamt Alt-Moabit 145 zu schmuggel. Und wie immer waren sie bestens vorbereitet und ...
wussten nicht nur, wo das Geld zu holen gewesen wäre – in diesem Fall die nächste Rate der Reparationszahlungen aus dem Ersten Weltkrieg, verbriefte neun Millionen Reichsmark.
Sie wußten auch, dass in dem Kabuff des Nachtwächters die Kabel der Alarmanlage waren. Erich Sass wollte genau die durchschneiden, um ungestört arbeiten zu können. Aber unvermutet kam einer der Wachmänner zurück und die Brüder Sass mussten ohne das Geld fliehen. Und sie mussten wieder mal ihr Werkzeug zurücklassen, das ihr Markenzeichen war und ihnen zum Verhängnis wurde: Der Schneidbrenner.
Sie waren die ersten, die auf die Idee kamen, einen Schneidbrenner zur Öffnung eines Tresores einzusetzen und leisteten so gesehen Pionierarbeit. Schon beim ersten Kauf eines solchen waren die jungen Männer, die aus einer armen und polizeibekannten Familie stammten, damit als verdächtig aufgefallen. Aber die Polizei konnte ihnen nichts nachweisen – neben ihrem Ideenreichtum, wie man einem bestimmten Gebäude oder auch dem „sichersten Tresor“ seiner Zeit beikommen könnte, waren die Brüder Sass auch sehr umsichtig was Verstecke für sich und ihre verräterischen Arbeitsutensilien anging.
Die Polizei durchsuchte mehrmals ihre Wohnung, konnte aber nichts finden. Modern war auch die akribische Vorberietung der „Gentleman Ganoven“, die nie Gewalt bei ihren Einbrüchen ausübten und die Objekte ihres Interesses genau observierten. Im Januar des folgenden Jahres gelang ihnen dann der große Coup: Sie öffneten den Safe der Disconto-Bankgesellschaft am Wittenbergplatz und bedienten sich an 179 von den 181 Kundensafes. Wieviel sie dabei erbeuteten, wurde nie bekannt – die Besitzer hielten sich zurück. Offiziell wurde die Beute mit 150.000 Reichsmark benannt. Für Presse und Polizei war klar, wer das war.
Franz und Erich Sass gingen wenig später nach Kopenhagen, wo sie wegen Einbruchs und Diebstahl ins Gefängnis mussten. Kurz nach ihrer Rückkehr nach Deutschland wurden sie von den Nazis ermordet.
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