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Geschrieben von: Anja Röbekamp
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Donnerstag, den 10. Juni 2010 um 16:03 Uhr |
Blickpunkt 10. Juni 1923: „RADIO“ – Die erste Fachzeitschrift für den Rundfunk geht an den Start, noch bevor die erste Sendung ausgestrahlt worden war. Die Geburt des Rundfunks in Berlin fand am 29. Oktober 1923 statt, haben wir an dieser Stelle schon mal erklärt – Sie erinnern sich bestimmt: Punkt 20:00 Uhr ist Versammlungszeit in Deutschland. Das gilt für die Tagesschau und andere Nachrichtensendungen, und begonnen hat es vielleicht heute vor 86 Jahren: Da wurde in Deutschland der Unterhaltungsrundfunk gestartet. In Berlin, aus dem...
Studio in der Potsdamer Straße 4. Man war sich der Bedeutung der Stunde bewusst und verkündete das: "Achtung! Hier Sendestelle Berlin Vox Haus, Welle 400. Wir bringen die kurze Mitteilung, dass die Berliner Sendestelle Vox Haus mit dem Unterhaltungsrundfunk beginnt." Genau eine Stunde lang dauerte die erste live ausgestrahlte Musik-Sendung des hiermit entstehenden öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Das in der krisengeschüttelten Weimarer Republik der Rundfunk eine Sache des Staates war und bleiben würde, stand von Anfang an fest: Viel zu unsicher die Zeiten und die junge, ungefestigte Demokratie, als das jeder hätte senden dürfen! Schon die Frage, ob es vernünftig sei, dem Volk das Radio zuzumuten, war umstritten. Zumal es in der ersten Stunde nur wenige Hörer hatte: Kaum jemand konnte sich den Empfangsapparat leisten. Am 29. Oktober 1923 war kein einziger zahlender Hörer registriert – aber es gab damals schon „Zaungäste“ (heute Schwarzgucker!), aber das änderte sich schnell: Dem Volk gefiel die Unterhaltung, und vor allem die Männer berauschten sich an der Technik. Für die Damen, die anfangs nicht so recht zu begeistern waren, wurden eigene Programm-Sparten eingeführt, und auch die Optik der Geräte orientierte sich teilweise daran, zur Einrichtung zu passen und der Dame des Hauses zu gefallen. Mit der Einführung der Rentenmark lohnte es sich dann für die Mehrheit der Menschen, auf ein Radio zu sparen, und es fand rasch Verbreitung. Als 1933 die Nazis an die Macht kamen, konnten sie auf ein gut ausgebautes Netz an Radio-Technik und Rundfunk-Organisation setzen. Und auf ein Millionen-Publikum, das gewohnt war, andächtig vor dem Empfänger zu lauschen. Mit dem von den Nazis in Auftrag gegebenen, günstigen „Volksempfänger“ fand das Radio dann endgültig den Weg in alle Wohnzimmer.
Foto: Kombinierter Fernseh- und Rundfunkempfänger, 1933, © Fotograf unbekannt, Deutsches Bundesarchiv
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