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Steglitz / Zehlendorf. Erneut ist mit Steglitz-Zehlendorf ein großer Berliner Bezirk der von der Charité - Universitätsmedizin Berlin initiierten Kooperationsvereinbarung zum Kinderschutz beigetreten. Am 21.07.2010 unterzeichneten die Bezirksstadträtinnen Anke Otto und Barbara Loth die Kooperationsvereinbarung. Damit lebt jetzt etwa die Hälfte der Einwohner Berlins im Geltungsbereich dieses Abkommens. Ziel ist es, bei Anzeichen einer Gefährdung...
des Kindeswohls den betroffenen Familien möglichst schnell Hilfe zukommen zu lassen. Prof. Karl Max Einhäupl, der Vorstandsvorsitzende der Charité, wertet die seit drei Jahren bestehende Vereinbarung als Erfolg: "Im Sinne des Kinderschutzes ist besonders hervorzuheben, dass auch andere Kliniken in Berlin sich jetzt auf der Grundlage unseres Modells engagieren", erklärte er bei der gestrigen Unterzeichnung der Übereinkunft. Den Ärzten der Charité kommt in dem Konzept eine Schlüsselrolle zu. Sehen sie nach der Behandlung eines Kindes Anhaltspunkte für eine Gefährdung seines Wohlergehens, so informieren sie noch am selben Tag die Kinderschutzgruppe und den Sozialdienst des Krankenhauses. Diese setzen sich zeitnah mit dem Jugend- und dem Gesundheitsamt des Wohnbezirks in Verbindung. Auch das weitere Vorgehen ist vorgegeben und erfolgt unter Einbeziehung der Eltern "Die Hilfe für die betroffenen Familien kann dann sehr schnell anlaufen", berichtet Loretta Ihme, die Koordinatorin der Kinderschutzgruppe an der Charité. "Es ist wichtig, dass die Akteure miteinander im Gespräch bleiben", hebt sie hervor. "Die Kooperationsvereinbarung schafft hierfür sowohl einen Rahmen als auch eine Verbindlichkeit für alle Beteiligten." Vor drei Jahren hat die Charité das Konzept gemeinsam mit dem Bezirk Pankow entwickelt. Reinickendorf und Mitte stießen dann im vergangenen Jahr genauso hinzu wie jetzt Steglitz-Zehlendorf. "Wir haben sehr viel Zeit darauf verwandt, die Vereinbarung unter Datenschutz-Aspekten genau zu prüfen", betont Prof. Annette Grüters-Kieslich, die Dekanin der Charité. Sie hat als Pädiaterin das Projekt von Anfang an mit vorangetrieben. Besonderes Augenmerk gilt darin Risikogruppen wie Drogen- und alkoholabhängigen oder substituierten Schwangeren und Müttern. Für sie wurde eine Spezialambulanz an der Charité eingerichtet, die bereits viele Mütter mit ihren Kindern betreut hat. Für diese Frauen gibt es ein strukturiertes Nachsorgeprogramm, auf das sie bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr des Kindes zurückgreifen können. "Wir arbeiten präventiv, damit ein Kinderschutzfall erst gar nicht entsteht", erläutert Prof. Grüters-Kieslich. "Für uns ist vor allem wichtig, dass dieses Konzept Handlungssicherheit sowohl für die Mitarbeiter der beteiligten Behörden als auch für Mediziner schafft", betont. Anke Otto, Bezirksstadträtin für Jugend, Schule und Umwelt in Steglitz-Zehlendorf. Zwar könne man nach drei Jahren noch keine endgültigen Aussagen treffen. "Doch es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass das strukturierte Zusammenwirken sozialpädagogischer und medizinischer Unterstützung den Hilfebedarf bei den betroffenen Familien langfristig deutlich senkt."
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